Horst Grabosch - Gedichte

Zotige Bauernregeln

von | Gedichte

"Der Mensch spielt nur, wo er in voller Bedeutung des Worts Mensch ist, und er ist nur da ganz Mensch, wo er spielt." (Schiller)

Wenn alte Kutter träge dümpeln
und Adler ihren Horst entrümpeln;
wenn Köpfe werden schwer wie Blei,
dann ist der Sommer schon vorbei.

Wenn Blätter sich von Bäumen trennen,
und die Trauerfeuer wieder brennen;
wenn du spürst, dass du bald erbst,
dann ist Herbst.

Wenn morgens schon die Sonne scheint,
und die Magd im Stalle weint;
wenn dem Eber schwillt der Docht,
und die Bäu’rin ist stinksauer,
hat der Bauer eingelocht,
doch sein Glück ist nicht von Dauer.

Wenn der Mond am Himmel steht,
und erstrahlt in voller Pracht,
dann ist Nacht.

Wenn die Sonn‘ vom Himmel rumpelt,
und ich ganz erbärmlich schwitze,
spricht man auch von Bullenhitze.

Wenn Pfaffen zum Gebete rufen,
und Wähler leiden Höllenqualen,
dann sind meistens Landtagswahlen.

Wenn feiste Fürze kräftig knallen,
sich Nägel in die Brille krallen,
kein Vogel fliegt mehr weit und breit,
dann ist wieder Kappeszeit.

Kommentar

„Der Mensch spielt nur, wo er in voller Bedeutung des Worts Mensch ist, und er ist nur da ganz Mensch, wo er spielt.“ (Schiller). Ich gestehe, gerne zu spielen. Hier jetzt ein paar Derbheiten, die mir die Depression versüßt haben. Mir machen die Texte einen Riesenspaß, ich habe aber schon ein paar fragende Gesichter bei Vorträgen im Familienkreis gesehen. Sehr beliebt war die Frage: „Wofür machst du das?“ Und gerade diese Frage trifft des Pudels Kern. Mit Schiller würde ich antworten: „Weil ich ganz Mensch sein will!“

Die Bauernregeln sind zu verschiedenen Zeiten entstanden und haben keinen sinnvollen Zusammenhang, wobei die Frage erlaubt sei, was denn auf dieser Welt schon einen sinnvollen Zusammenhang hat. Aus absurden Gründen, die ich dem Leser hier erspare, muss ich noch ein paar Zeilen schreiben, verspreche aber, vielleicht noch ein paar Regeln hinzuzufügen, um mein Zeichensoll zu erfüllen.

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