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Verdrängte Angst

Lieber Bruno,

du weißt ja wohl nicht, dass ich in der Anstalt bin, aber das ist auch egal. Ich wollte dir nur einen Brief über das Thema ‘Ruhe‘ und ‘Unruhe‘ schreiben. Du weißt ja sehr gut, was Ruhe ist.

Warst du eigentlich jemals unruhig? Gut, du bist ewig durch die Welt gezogen, aber dabei warst du doch innerlich ruhig, oder? Ich war ja früher auch viel unterwegs, aber ruhig war ich dabei nie. Ich hatte beispielsweise schreckliche Angst vor dem Fliegen. Ich meine jetzt das richtige Fliegen mit Flugzeugen, nicht das Fliegen im Traum. Das war immer große Klasse und ging ja auch ohne Flugzeug.

Beim Fliegen in Flugzeugen hatte ich eigentlich immer Angst. So richtige Scheißangst. Ich kann dir nicht sagen, warum, aber die Angst war einfach da.  Jetzt musste ich ja früher oft auf Bühnen auftreten, und da hatte ich auch Angst vor. Die Angst kann man wegsaufen, oberflächlich gesehen, aber das geht nicht auf Dauer.

Deshalb hatte ich eine Strategie entwickelt um die Angst zu besiegen. Das funktioniert aber nur für eine bestimmte Zeit. Du sagst deinem Gehirn: „Alles in Ordnung, du brauchst keine Angst zu haben, weil alles so passiert, wie es passieren soll.“ Das Gehirn antwortet: „Alles klar, Chef – Angst abgeschaltet.“ Abgeschaltet, Bruno, das ist wichtig! – abgeschaltet – nicht eliminiert. Die Angst bleibt solange abgeschaltet, wie du die Kontrolle behältst, aber das ein Leben lang durchzuhalten, ist sehr anstrengend!

Ich denke, dass ich deshalb so müde geworden bin. Die Angst ist ein cleveres Bürschchen und schaltet sich so ganz heimlich wieder ein, aber du bemerkst es nicht. Die Angst hat nämlich einen Höllenrespekt vor dem bewussten Gehirn. Deshalb tarnt sie sich und holt sich ihren Anteil, wo immer es geht. Eines Tages fühlst du dich so belämmert, dass es Zeit für die Anstalt wird.

Das schafft ständige, innerliche Unruhe. Ich habe einmal einen Cartoon gesehen, wo ein Skiflieger im Flug eingefangen wurde. Darunter steht: „Ruhe in totaler Bewegung“. Das trifft die Sache ziemlich gut.

Ruhig sein, bedeutet weit fliegen, solange du nicht einschläfst. Ein unruhiger Skiflieger mit Angst stürzt ab. Du hast aber bestimmt schon gehört, dass Skiflieger, die schon richtig weit gesprungen sind, eine Zeit lang nicht mehr weit fliegen können.

Die kennen den Grund nicht. Das sind Probleme im Unterbewusstsein – und da ist auch die Angst zu Hause. Beim Skiflieger muss es nicht unbedingt Angst sein, aber bei mir ist es Angst. Ich kann dir sogar den Satz sagen, den die Angst ständig in mein Unterbewusstsein diktiert: „Du hast dich sehr bemüht, aber leider reicht es nicht ganz. Versuche es doch im nächsten Jahr noch mal.“

Mir gehen die Jahre aus, Bruno.

◉Vorwort

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