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Routine mit Sorgenbriefen

Lieber Eckard,

na, du alter Holzwurzelquäler. Kennst du Sorgenbriefe? Bei uns in der Anstalt gehören Sorgenbriefe zur Therapie. Wir bekommen regelmäßig welche. Die Organisation beobachtet dann sehr genau, wie wir darauf reagieren. Schlecht ist, wenn du ganz hysterisch sofort beim Absender anrufst und irgendwas vom wilden Pferd erzählst. Gut ist, wenn du ruhig bleibst.

Ich habe viel gelernt hier in der Anstalt. Ich weiß genau, was die von mir sehen wollen und so bekommen sie es auch. Aber damit du besser verstehst, was ich meine, will ich dir mal ein paar Beispiele geben. Die Sorgenbriefe sind in 3 Kategorien mit unterschiedlichem Schweregrad eingeteilt:

  • Kleine Sorgenbriefe, Schweregrad 1
  • Heftige Sorgenbriefe, Schweregrad 2
  • Horrorbriefe, Schweregrad 3.

Je höher der Schweregrad, desto ruhiger musst du sein. Das gibt Pluspunkte.

Nun das Beispiel eines kleinen Sorgenbriefes: „Leider können wir Ihnen nicht garantieren, dass ihr Sohn das Ende des  Schuljahres noch erreicht. Damit haben Sie in der Vaterrolle komplett versagt. Sie sollten sich schämen!“

Da musst du total cool bleiben. Das ist nur ein Test! Die Kinder sind ja größtenteils Aliens und fliegen irgendwann sowieso zurück in ihre Heimatgalaxie. Alles nur Panikmache. Ich weiß das, weil ich viel nachdenke. Andere Patienten werden ganz hysterisch und gehen gar nicht mehr aus dem Haus, oder rufen sogar den Lehrer an, um rumzuschleimen. Die sagen dann: „Zu Hause kann der alles, der ist nur aufgeregt bei den Klassenarbeiten“, und so einen Scheiß. Das ist hyperfalsch!

Nun ein heftiger Sorgenbrief: „Leider müssen wir Ihnen mitteilen, dass Sie ab sofort kein Geld mehr für Ihre Arbeit erwarten können, weil der Abteilungsleiter mit der Kohle abgehauen ist. Die noch ausstehenden 5 Monatslöhne können Sie auch in den Wind schießen.“

Ja gut, das ist schon heftiger, oder? Meistens ist das aber nicht so schlimm, weil du eh schon auf dem Zahnfleisch gehst und es einfach nicht weiter nach unten gehen kann. Wer schon auf dem Meeresgrund weilt, braucht ja keine Angst mehr vor dem Ertrinken zu haben. Also ganz ruhig bleiben; wenn es geht, sogar lachen. Das gibt etliche Pluspunkte in der Therapiebewertung.

Jetzt die Superprüfung, Schweregrad 3. So einen Sorgenbrief hab ich noch nie gekriegt, aber schon von gehört: „Räumen Sie sofort Ihre Anstaltswohnung! Sie haben 48 Stunden Zeit, um die Bude besenrein zu verlassen. Ihre Intensivgruppe wird mit sofortiger Wirkung abgezogen. Alle Plastikkarten zum Einkaufen sind schon gesperrt. Heulen Sie nicht rum und melden sich morgen bei der Organisation zur Einweisung in den Anstaltsbunker und Antritt der verschärften Therapie mit Dauerfernsehen von Kultursendern.“

Der Horror, denkst du? Nicht für den routinierten Anstaltsfuchs! Der erkennt nämlich sofort die Vorzüge: keine Miete mehr, keinen Ärger mit dem Bankautomaten oder der Intensivgruppe, Autoernährung, kostenloses Fernsehen. Das hättest du jetzt nicht gedacht, oder? Jetzt kann man nur noch einwenden, dass Kultursender der Horror sind. Aber der Anstaltsfuchs weiß ja, dass es Mittel und Wege gibt, du verstehst? Er ist ja nicht der einzige Anstaltsfuchs im Bunker. Da sind auch gelernte Techniker dabei, wenn du weißt, was ich meine.

Deshalb bleibt der Anstaltsfuchs auch bei solchen Briefen extrem ruhig. Solltest du mal in eine Anstalt kommen, werden dir die Tipps sicherlich sehr helfen – wenn Sie dir dann noch einfallen, denn das ist eigentlich das größte Problem der Patienten – das Gedächtnis!

◉Vorwort

Horst Grabosch möchte Ihnen eine sorgenfreie Weberfahrung bieten. Daher haben wir auf fast alle Möglichkeiten zur Erfassung Ihrer persönlichen Daten verzichtet.

 

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