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Der Migrationskoch

Lieber Rolf,

lange nicht gesehen, was? Ich muss dir mal was Wichtiges schreiben. Leider wirst du den Brief nie bekommen, weil er von der Anstaltsleitung abgefangen wird, haha. Ich bin ja wohl einer der Wenigen hier, die das wissen, weil ich so viel nachdenke. Aber die lassen mich machen, ich bin ansonsten auch ganz ruhig.

Hier im Anstaltsfernsehen, das ich jeden Abend wegen der lustigen Sendungen gern anschaue, haben die jetzt ganz aufregende Sachen gezeigt. Wahrscheinlich aus ‘gegebenem Anlass‘. Also, wenn jetzt jemand aus der Anstalt abhauen will, in die große Stadt, wird er von Ausländern schon in der U-Bahn totgemacht. Ja, wirklich, ich hab das selbst gesehen. Die haben es jede Stunde mehrfach gezeigt, immer wieder.

Jetzt ist das bei uns so. Hier leben auch viele Ausländer in der Anstalt, aber die sind alle ganz lieb. Manchmal sagt höchstens mal einer: „Hey, was guckst du?“, oder so was harmloses. Das sind aber immer Patienten und wenn ich mich dann auch als Patient zu erkennen gebe, ist alles total gut. Dann beschützen die dich sogar vor wild gewordenen Ureinwohnern.

Gestern war eine Sendung über dieses Thema im Anstaltsfernsehen, die mich doch wieder sehr verwirrt hat. Die war eindeutig extra für Patienten produziert. Weil ich mir alles so schlecht merken kann, habe ich mir einen Redner mit einer Eselsbrücke gemerkt. Das war der Migrationskoch, von kochen und Migration, super die Eselsbrücke, nicht?

Der hat gesagt, dass man wohl mal jetzt den Ausländern ordentlich die Meinung geigen muss. Die anderen Redner habe ich vergessen. Das beweist, dass Migrationskoch der Gerissenste ist. Vielleicht nicht der Beste, aber der Gerissenste. Einer der Redner geht mit Ausländern aufs Hochseil und die werden dabei von deutschen Frauen gesichert. Das macht die dann ganz ruhig. Scheint mir eine prima Idee zu sein.

Vielleicht fehlt denen ja auch eine Moschee, Teestube oder eine Beschäftigungstherapie, wie wir sie haben, damit sie ruhiger werden. Auf jeden Fall ist mir eingefallen, dass ich ja auch früher mal in großen Auslandsstädten war. In einigen hat man uns im Hotel geraten, abends nicht allein rauszugehen, weil man sonst von Ausländern totgemacht wird. Das hat mich konfus gemacht, weil ich doch im Ausland der Ausländer bin, oder? Also hätte ich doch Inländer totmachen müssen, aber ich hatte doch gar keinen Anlass dazu.

Oder nimm zum Beispiel Hitler oder Amerika. Hitler war ja Ausländer und hat im Nochmehrausland Inländer und andere Ausländer totgemacht. Das ist doch total kompliziert, das würde ich schon aus dem Grund nicht machen. Stell dir mal vor, wie lange du über so eine Konstellation nachdenken musst. Amerika wiederum macht Ausländer im Inland und umgekehrt tot. Oder muss es heißen Inländer im Ausland und umgekehrt? Oder Inländer im Inland und Ausländer im Ausland?

Jetzt sagt ja Migrationskoch, man müsste auch differenzieren. Er meint wahrscheinlich zwischen Muslimausländern, Ostausländern, Westausländern, Südausländern, Reichausländern, Armausländern und so. Das wäre mir aber zu kompliziert. Stell dir vor, Europa wird irgendwann mal ein Land, dann kannst du wieder von vorne anfangen. Besser und weltweit tauglich finde ich die Differenzierung zwischen Idioten und Nichtidioten. Dann kann man noch weiter gruppieren in bösartig und lieb.

Das reicht doch, oder?

◉Vorwort

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