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Kritik am Anstaltsfernsehen

Hallo Hans,

wie geht es deinem Bass? Ja, ich erinnere mich tatsächlich an das große Ding. Haben wir einmal zusammen musiziert, oder so was? Da geht mir die Erinnerung etwas ab. Ich bin nämlich in der Anstalt und mir geht es gut.

Ich höre jetzt fast gar keine Musik mehr, weil das Angebot hier sehr beschränkt ist. Ab und zu gibt es mal Konzerte für freie Bürger, aber das können sich Patienten nicht leisten. Manchmal gibt es auch Konzerte von Anstaltsgruppierungen, die das als Freizeitvergnügen ansehen. Ich weiß wirklich nicht, wo da das Vergnügen sein soll. Auch nicht für die Zuhörer. Aber das sind meistens eh nur Verwandte oder Mitglieder der Intensivgruppen.

Das Interessante ist, dass da freie Bürger und Patienten gemeinsam dilettieren. Eine lustige Partie. Am schärfsten sind natürlich die Gruppen, die in der Regionaltracht auftreten und Bergmusik machen. Da geht die Post aber richtig ab. Um die Schmerzen etwas zu mildern, wird aber immer viel Bier dabei getrunken.

So muss ich mich auf die Musiksendungen konzentrieren, die das Anstaltsfernsehen zeigt. Besonders zur gerade verstrichenen Weihnachtszeit gab es natürlich viele Musiksendungen im Anstaltsfernsehen. Die Lustigsten waren die, wo auch Spenden eingesammelt wurden. Damit sollen die Patienten natürlich beruhigt werden. Es soll ihnen sagen, dass es viele tolle Menschen und Firmen gibt, die Geld für krebskranke Kinder und so spenden.

Seit einigen Jahren beobachte ich so eine Sendung. Da hat sich offensichtlich eine Frau eingeschlichen, die gar nicht ins Konzept passt, weil sie einfach ganz viel Geld spendet, aber nicht darüber reden will. Das geht natürlich auf Dauer nicht gut. Das ist nicht antaltsfernsehkonform. Da sollen die Spender nämlich ordentlich über ihr tolles Gefühl labern, wenn sie spenden. Dieses tolle Gefühl überträgt sich dann auch auf die Patienten und sie gehen mit dem Gefühl ins Bett, dass alles ganz prima ist. So soll es sein.

Super hat das im letzten Jahr eine große Autofirma gemacht. Die verkaufen normalerweise Autos für freie Bürger und passen eigentlich deshalb gar nicht in so eine Sendung. Die rollten einen tollen Wagen in die Sendung, den sie vorher an eine andere Teilorganisation verkauft hatten. Das Geld haben die dann gespendet und noch irgendeine lächerliche Summe daraufgelegt. Aber der Repräsentant der Firma war wirklich große Klasse.

Der konnte ohne Punkt und Komma reden. Mir wären fast die Tränen vor Lachen gekommen. Aber das war ja nicht der Sinn der Sache. Man soll bei solchen Sendungen ja eigentlich weinen und froh sein, dass es einem so gut geht. Das erledigen aber dann die Einspieler aus dem Krankenhaus. Du wirst lachen, aber ich bin wirklich froh, dass es mir so gut geht. Bis auf dass ich in der Anstalt bin und kein Geld zum Spenden habe.

Toll finde ich auch immer die Rede des Organisationschefs der Großsektion und dem Verwaltungschef der Großsektion, seit einiger Zeit eine Frau. Die verkaufen uns die tollsten Sachen. Dass jetzt schon alles viel besser ist in den Anstalten, und das Hamsterrad noch mehr Patienten erfasst hat, die vorher wegen eigentlich nicht zu lösender Probleme, keine Beschäftigungstherapie erhalten konnten.

Manchmal ist es so verworren, dass ich gar nicht weiß, ob die jetzt von Patienten oder von freien Bürgern reden. Dass es den freien Bürgern gut geht, sieht ja auch der dümmste Patient. Aber jeder Patient weiß doch sehr genau, dass es ganz egal ist, ob er Beschäftigungstherapie im Hamsterrad macht, oder so sein Anstaltsgeld bekommt. Er hat immer nur das Nötigste.

Es ist jetzt Schlafenszeit. Zupf deinen Bass recht ordentlich.

◉Vorwort

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