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Internet im Anstaltsnetz

Lieber Mick,

vielleicht kannst du es nicht glauben, aber wir Patienten dürfen in der Anstalt Computer haben. Nun bedeutet ‘haben dürfen‘ noch nicht, dass wir uns das auch leisten können. Aber ich habe mir einen vom Munde abgespart. Einen Computer muss man ja heutzutage haben. Das geht ja gar nicht mehr ohne.

Wir bekommen allerdings nur Computer in niedrigen Preisklassen. Dafür müssen wir ungefähr zwei Wochen im Hamsterrad arbeiten. Mittlere Dienstgrade vom Personal brauchen einen Tag, leitende Personaler ungefähr eine Stunde. Manager von Hamsterradbetrieben vielleicht 5 Minuten. Manchmal auch weniger.

Die nehmen den Stift vom Schreibtisch und können ihn gleich wieder weglegen, schon ist ein Computer verdient. Das finde ich total lustig. Vielleicht reicht auch schon der Gedanke jetzt den Stift anzufassen. Da vergeht ja auch schon Zeit. Die werden nämlich nach vergehender Zeit bezahlt. Wenn die totalen Mist bauen, geht es noch schneller, weil sie dann eine hohe Abfindung bekommen. Toll, nicht?

Besonders gern schreibe ich Briefe auf dem Computer, weil man immer alles wieder löschen und von vorne anfangen kann, ohne Papier verbraucht zu haben. Die Briefe brauche ich ja nicht auszudrucken, weil die eh nicht ankommen.

Wir dürfen auch Internet haben. Kostet natürlich auch ein hübsches Sümmchen im Monat. Ob ich im Internet alles das sehen kann, was die Menschen außerhalb der Anstalt sehen, kann ich dir natürlich nicht sagen. Aber viele Internetseiten sind eindeutig für die Anstalt konzipiert. Wir haben zum Beispiel so genannte ‘Online-Casinos‘ im Anstaltsnetz.

Da kannst du auch trotz roter Zahlen auf dem Bankautomaten spielen, weil es kein echtes Geld ist, womit gespielt wird. Das ist der Beweis für ein Anstaltsnetz. Auf dem Bildschirm erscheinen dann wilde Gesellen als Zeichentrickfigur. Die sehen total cool aus. Man muss natürlich vor seinem Computer auch total cool sein und so richtig cool zocken.

Diese Online-Casinos sind bei Patienten sehr beliebt. Viele können mittlerweile besser zocken, als ihren Job im Hamsterrad ausfüllen. Besonders die ohne Beschäftigungstherapie haben ja viel Zeit zum zocken. Für die ist das oft der Lebensmittelpunkt.

Für deren Intensivgruppe ist das natürlich ein Segen, weil sie sich nicht viel um ihren Patienten kümmern müssen, außer Bier und Zigaretten holen. Diese Patienten haben ihr Therapieziel eigentlich erreicht. Die waren aber auch vorher schon sehr ruhig. Sie werden nur nicht entlassen, weil man sie ‘draußen‘ nicht mehr gebrauchen kann. Dauerpatient ohne Therapie, DOT, werden die hier genannt.

Bei diesen Patienten wird die Intensivgruppe öfter mal ausgetauscht, aber manchmal merken die das gar nicht mehr. Denen ist das doch egal, wer das Bier oder die Zigaretten holt. Hauptsache sie können zocken. Es gibt sogar Dauerpatienten, wo man die Intensivgruppe ganz abgezogen hat. Die brauchen gar nichts mehr, sind vollkommen bedürfnislos.

Das ist für die Organisation der Idealzustand. Wenn schon Patient, dann einer, der ganz wenig Kosten verursacht. Für die Organisation käme es teurer, wenn sie sich um so einen noch kümmern würde. Die sterben dann später leise und unauffällig in der Anstalt und werden irgendwo verscharrt.

◉Vorwort

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