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Anstaltwetter

Liebe Annemarie,

heute ist so ein Tag, den man nur schwer beschreiben kann. Es ist Anstaltwetter. Der Himmel ist grau und es ist regnerisch. In den Bergen fällt Schnee. Dort oben machen die freien Bürger Winterurlaub. Sie fahren Ski und sind lustig. Die Patienten fahren nicht Ski und sind nicht lustig.

An normalen Tagen schauen Patienten als Ausgleich Sport im Anstaltsfernsehen oder gehen mit der Intensivgruppe spazieren. Manche haben auch Ideen und wollen Pobitu werden. Das macht sie eine Zeit lang aufgekratzt und sie schmieden großartige Pläne. Die Pläne sind natürlich alle für die Tonne, weil eh später alles schief geht. Aber das wissen sie zu diesem Zeitpunkt noch nicht.

Wenn aber Anstaltwetter ist, fällt keinem Patienten etwas ein. Wenn er Glück hat, ruft ein Therapeut an und fragt, wie es der Intensivgruppe geht. Wie es dem Patienten geht, interessiert ihn an diesen Tagen auch nicht besonders. Der ist nämlich sauer, dass er gerade keinen Winterurlaub hat und erst in einem Monat den nächsten Urlaub gebucht hat.

Natürlich steht die Zeit an Anstaltwettertagen grundsätzlich still. Man steht auf und geht wieder schlafen. Dazwischen ist nichts, absolut gar nichts. Auch keine Gefühlsregung, völlig tote Hose. Es ist, als hätte dir jemand das Hirn herausgenommen und mal kurz zur Seite gelegt, bis morgen. Manchmal schaust du noch nach der Fernbedienung für den Fernseher, aber die ist dann meistens auch nicht sofort zu finden. Liegt wahrscheinlich unter dem Sofakissen. Um da hinzugehen, hast du aber gar keine Energie.

Mit letzter Kraft erreichst du vielleicht noch das Bett und schläfst im besten Fall sofort ein. An solchen Tagen natürlich traumlos. Manchmal schaust du aber auch stundenlang an die Decke. Aber da ist auch nichts Besonderes zu finden.

Ich versuche dann ein Buch zu lesen, im Bett. Das ist eigentlich keine schlechte Idee, um den Tag herumzukriegen. Ich beuge mich über den Bettrand und will das Buch vom Nachtschränkchen nehmen. Aber an Anstaltwettertagen liegt da grundsätzlich kein Buch, weil man es gestern gerade ausgelesen hat. Was darin stand, habe ich natürlich vergessen. Wie sollte es auch anders sein, mit abgeschaltetem Hirn.

Im nächsten Moment habe ich auch schon vergessen, was ich eigentlich wollte und wundere mich nur über meine seltsame Haltung, so über den Bettrand gebeugt. Dann leg ich mich wieder normal hin und schaue an die Decke. Die sieht immer noch genauso langweilig wie vorher aus.

Das sind so Tage, die nur sehr schwer zu beschreiben sind.

◉Vorwort

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