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Systemabsturz und Neustart

Im Jahr 2007 war es soweit. Ich meldete mich arbeitslos, da die Gewinne nicht mehr die Lebenshaltungskosten für die Familie deckten. Ich hatte mir 6 Monate Anspruch auf Arbeitslosengeld erarbeitet. Danach versuchte ich es noch einmal als Selbstständiger mit allen Mitteln und einer sechsmonatigen Förderung durch das Arbeitsamt. Ich machte wirklich alles, was mir unter die Finger kam. Immer wieder unterbrochen durch wochenlange Ausfälle wegen akuter Depression, die ich mit Medikamenten behandeln musste. Im Januar 2008 kam ich kaum noch aus dem Bett und begann zu schreiben. Der Seelenmüll musste verarbeitet werden. Ich schrieb fast täglich Briefe an Bekannte, die ich nie abschickte, und die später unter dem Titel ,Seelenwaschanlage‘ als Buch veröffentlicht wurden.

Endlich war ich wieder kreativ. Ich merkte, dass ich kreative Arbeit brauchte, wie die Luft zum atmen. Aber noch war nicht alles ausgestanden. Die Finanzen waren ruiniert und ich nahm immer noch Psychopharmaka. Die ganze Familie litt unter der Situation. Die Familie blieb jedoch glücklicherweise intakt!

Kreative müssen kreativ arbeiten, auch wenn es sich nicht sofort rentiert. Aber was rentiert sich schon sofort?


Kommentar

Wie oft im Leben kann man neu anfangen? Theoretisch jeden Tag. Doch meine Erfahrung zeigt, dass sich mit jedem neuen Anfang die Gefahr der Selbstkorruption erhöht. Wenn sich Dinge ständig wiederholen, ist das Wort ‘neu‘ ziemlich unangebracht.

Der ‘neue Tag‘ gehört zum selben Leben. Das wird nur durch die Planetenbahnen und -rotationen, und unserem Schlafbedürfnis in Tage unterteilt. Diese Tatsache ist doch Grundlage für die besten Raucherwitze: „Ich höre auf zu rauchen – täglich!“ Ein Neuanfang sollte daher kritisch kontrolliert werden. „Das ist jetzt wirklich die Letzte“, ist für eine Zigarettenentwöhnung einfach zu wenig. Nach dem zehnten mal, glaubt man es doch selbst nicht mehr. Das ist Selbstkorruption. Irgendwann glaubt man sich selbst gar nichts mehr. Eine fatale Folge inflationärer Neustarts. „Morgen“ ist immer genau ein Tag zu spät! In der Regel kann man sich auf die Reaktionen der Außenwelt verlassen. Wenn man wirklich etwas in seinem Innersten verändert hat, verändert sich auch die Umwelt. Alte Freunde melden sich plötzlich nicht mehr, dafür kommen andere interessante Menschen in dein Leben.

Im Idealfall ist das Künstlerleben jedoch ein ständiger Fluss von Eindrücken und deren künstlerischer und emotionaler Verarbeitung. Wer von Anfang an diesen Weg bewusst geht, hat keinen Anlass zu groß angelegten Neuanfängen. Die Dinge sollten sich für ihn organisch fügen, in guten und in schlechten Zeiten. Man kann jedem Novizen nur raten, sich auf diesen Weg konsequent einzulassen.

Für ein künstlerisches Talent gibt es nichts Beglückenderes als das Leben eines Berufskünstlers. Vertraut dem Urteil eines verantwortungsvollen Mentors. Gibt er grünes Licht, kann es nur eine Devise geben: „Habt Mut und lasst euch nicht beirren!“ Wer auf seine innere Stimme hört, die künstlerische Haltung konsequent entwickelt und dabei die Vermarktung nicht vergisst, kann nicht viel falsch machen. Der Erfolg wird sich dann auch einstellen.

◉Vorwort ENDE DES BUCHES – 2010

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