Horst Grabosch - Geschwätz

Politik – Der Wulff-Effekt

von | Geschwätz

Natürlich können Sie sich dazu entscheiden, die Situation in Deutschland noch verbessern zu wollen. Tun Sie es, es lohnt sich immer! Nur sollten Sie wissen, welche Arbeit Sie sich aufladen. Die Parteien stehen jedem offen, und Sie können auch mit Engagement viel erreichen.

Ob der Bundespräsident zurücktreten soll, oder nicht, ist hier nicht mein Thema. Es geht mir um den Verdruss, den Sie vielleicht bei der unsäglichen Schlammschlacht empfinden.

Diese Art von Verdruss kann insbesonders negativ bei ihnen wirken, wenn Sie ohnehin das Gefühl haben, alles liefe gegen Sie. Lassen Sie mich die Affäre aus dem Blickwinkel eines burnout-gefährdeten Menschen sehen. Sie müssen mitansehen, wie exponierte Persönlichkeiten aus der Politik, die Sie vielleicht sogar mit Ihren Steuergeldern finanzieren, ihre Position schamlos für eigene Annehmlichkeiten ausnutzen, während Sie scheinbar die ganze Zeche in irgend einer Form bezahlen müssen.

Selbst als Hartz-4-Empfänger, also selbst Nutznießer von Transferleistungen, haben Sie dieses Gefühl. Sie werden in jedem Fall verarscht, oder? Ob dieses Gefühl berechtigt ist, oder nicht, ist indes vollkommen gleichgültig für die Verbesserung Ihres Gemütszustandes. Eine gerechte Welt ist die größte Illusion, der man sich hingeben kann. Sie leben bereits in einer Gesellschaft, die fast das Maximum an möglicher Gerechtigkeit garantiert. Sie sind anderer Meinung?

Nun, schauen Sie sich unvoreingenommen in der Welt um. Gerade habe ich haarsträubende Berichte von den Vorwahlen in den USA gesehen. Dagegen leben wir hier im Paradies. Dort treten sich die Lobbyisten dermaßen in die Weichteile, dass selbst die Bildzeitung wie ein Kirchenblatt erscheint.

Natürlich können Sie sich dazu entscheiden, die Situation in Deutschland noch verbessern zu wollen. Tun Sie es, es lohnt sich immer! Nur sollten Sie wissen, welche Arbeit Sie sich aufladen. Die Parteien stehen jedem offen, und Sie können auch mit Engagement viel erreichen. Ich kann Ihnen als ehemaliger Träger eines politischen Amtes sogar garantieren, dass Ihr Engagement so schnell Früchte trägt, wie Sie es nie für möglich gehalten hätten.

Das liegt daran, dass es gar nicht so viele Menschen gibt, die sich engagieren – Ihre Meinung wird gehört und Sie können auch an Entscheidungsprozessen mitwirken. Aber es erfordert viel Arbeit – und da liegt der Haken. Ist Ihnen langweilig? Stehen Sie vor dem Burnout, weil Sie nichts zu tun haben? Das gibt es auch, aber so oder so erfordert Ihre Stresslage eine intensive Bearbeitung, damit Sie wieder gesunden.

Und dieser Bearbeitung sollten Sie Ihre ganze Aufmerksamkeit schenken. Dafür ist es vollkommen gleichgültig wer momentan Bundespräsident ist. Wenn Sie den Schritt zur Erneuerung Ihrer Kraft geschafft haben, können Sie ja noch einmal darüber nachdenken, ob Sie sich kraftvoll in die politische Diskussion einmischen. Solange verschenken Sie nur weitere Teile Ihrer ohnehin eingeschränkten Kraft mit Jammern und Wehklagen über die ach so schlechte Welt. Vertrauen Sie darauf, dass es noch genug Menschen gibt, die an den Stühlen der Etablierten sägen und denen das Leben unbequem machen – noch.

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