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Wiederholungen – Alles auf Anfang

Wiederholungen sind Bestätigungen des Bekannten. Normalerweise sollten wir uns dadurch gestärkt fühlen. Und dennoch fühlen wir uns oft wie verkatert, wenn wir auf Wiederholungen in unserem Leben zurückblicken. Obama ist gerade zum US-Präsidenten wiedergewählt worden. Viele Menschen haben sich das gewünscht und viele haben in der Nacht mitgefiebert. Genauso wie mit der Fußballmannschaft in der Champions League, den Kindern bei ihren Schritten in die Zukunft und vielen anderen Dingen, die uns etwas bedeuten. In einem Moment des Innehaltens bemächtigt sich dann oft ein seltsames Gefühl der Leere unserer Seele.

Die Möbel stehen immer noch am gleichen Platz, das Frühstück ist das gleiche wie gestern, und alle Probleme des Alltags sind immer noch da. „The same procedure as every year“, wie Butler James in ‚Diner for One‘ sagt – alles auf Anfang. Jetzt wünscht man sich, die triste Realität wie einen alten Mantel ausziehen zu können. Ein Aufbruch, etwas Neues müsste her. Selbst Dinge, die wir mit viel Disziplin als erprobte Standards in unser Leben eingeführt haben wirken schal und langweilig berechenbar.

Ja, der regelmäßige Gang zur Fitnesseinheit ist gesund, hat sich bewährt und sollte regelmäßig wiederholt werden. Doch plötzlich erscheinen in solchen seltsamen Momenten der Fadheit die Worte ‚bewährt‘ und ‚regelmäßig‘ wie Horrorgebilde, die das langweiligste Leben der Welt signalisieren. Selbst das sensationellste Spiel Ihres Lieblingsteams kann die innere Leere nicht füllen. Das ist der Grund, warum wir so herzhaft zur Flasche greifen – der Sieg muss gefeiert werden, und zwar so, als gäbe es kein Morgen. Und tatsächlich gibt es eine bedrückende Angst vor der Normalität des nächsten Tages. Vergangenheit und Zukunft begegnen sich in einer seltsamen Liaison.

Es ist immer dasselbe und es wird immer dasselbe bleiben – so stellt sich unser Leben in solchen Momenten dar. Wie ein Hohn erscheinen plötzlich Ermahnungen eines Visionärs wie Eckhart Tolle, der die Konzentration auf das ‚Jetzt‘ fordert; denn ‚jetzt‘ ist offensichtlich genau so wie vorher und voraussichtlich auch wie nachher – nach dem Spiel ist vor dem Spiel. Alle, die bis hierher gelesen haben, sehe ich im Geiste nicken und diese Gefühle bestätigen. Und ich kann mir lebhaft vorstellen, dass Sie nun auf die große Wende im Text warten – das Aha-Erlebnis, die spirituelle Lösung, die Pille, oder der Megatipp.

Leider muss ich Sie bitter enttäuschen, weil es nichts gibt, was Ihre Gemütslage patentiert ändern könnte. Paradoxerweise muss ich sogar auf genau das verweisen, was Ihnen im Moment als das Grauen schlechthin erscheint. Ich kann nur auf Wiederholungen verweisen. Wiederholungen Ihrer bewährten Mittel. Der Eine geht eine Runde mit dem Hund spazieren, der Andere stürzt sich in seine Arbeit und der Dritte macht eine einstudierte Achtsamkeitsübung – ich schreibe diesen Artikel. Und schon geht es uns in der Regel besser. Manche müssen solche Seelenkrisen auch einfach aussitzen, weil sie durch diesen Zustand geradezu gelähmt werden. Das kann einmal passieren, wenn es jedoch regelmäßig passiert, sollten Sie Hilfe suchen.

Unsere Seele ist eine komplizierte Einrichtung, die uns manchmal mehr Sorgen macht, als für unser Überleben notwendig ist. Dafür gibt es viele Erklärungen, und manchmal kann es schon helfen, sich darüber zu informieren. Dann werden wir mit den seltsamen Mechanismen unseres Geistes vertrauter. Dann werden wir bei der nächsten Minikrise nicht mehr so kalt erwischt. Dann ist es nämlich eine Wiederholung :-), und Sie können Ihren Mitmenschen signalisieren: „Laß mich in Ruhe, ich bin schlecht drauf – bald geht es aber besser“. Wichtig ist allerdings, dass Sie selbst daran glauben!

Horst Grabosch möchte Ihnen eine sorgenfreie Weberfahrung bieten. Daher haben wir auf fast alle Möglichkeiten zur Erfassung Ihrer persönlichen Daten verzichtet.

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