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Bedingungsloses Grundeinkommen und die Kunst

Zusammen mit einem Schulfreund machte ich nach der Schule  ein Germanistikstudium – weil uns nichts besseres einfiel. Ein Künstlerdasein in Armut (auch 1974 war das bereits eine drohende Alternative zum bürgerlichen Beruf) schien uns nicht besonders verlockend. Erst ein paar Jahre später (nach etlichen Klausuren in Linguistik, Semiotik etc.) wurde uns klar, dass wir als Geisteswissenschaftler nicht unbedingt auf UNSEREM Weg waren.

Mein Freund wurde dann Speditionskaufmann und ich wagte den Schritt zum professionellen Künstler. Was bedeutet diese Geschichte für ein bedingungsloses Grundeinkommen? Nun, zunächst einmal scheint es eine harmlose Geschichte zu sein, in der junge Menschen unterschiedliche Prioritäten setzen. Der eine wählt den Weg der größeren Sicherheit, was ein dauerhaftes Einkommen betrifft, der andere entscheidet sich für seine Leidenschaft. Das ist nicht sonderlich dramatisch. Schaut man jedoch genauer auf den Weg des Künstlers, so fällt auf, dass ihm hunderte von Brotjobs zwar auch ein gedeihliches Auskommen beschert haben, aber letztendlich das künstlerische Talent dabei weitgehend auf der Strecke geblieben ist.

Ist das für die Gesellschaft von Belang? Das kommt auf die Haltung einer Gesellschaft an. Wem es gleichgültig ist, ob ein Volk von Dichtern und Denkern zu einem Volk von Dicken und Dummen wird, dann sicherlich nicht. Das ist eine Entscheidung! Diese Entscheidung wird aber immer überfälliger, je mehr Wirtschaft und Finanzwelt das Kommando über die Politik übernehmen. In den 80er Jahren waren die Bedingungen für Künstler zwar auch nicht unbedingt rosig, man konnte jedoch guten Gewissens behaupten, dass mit Talent, Fleiß und Ausdauer ein hinreichendes Einkommen in der Kunstwelt erzielt werden konnte. Das gilt heute leider nicht mehr.

Der Kunstmarkt folgt den gleichen Gesetzen wie eine globalisierte Wirtschaft. Wenige verdienen immer mehr (siehe Popstars), während die große Masse der Künstler immer öfter vollkommen leer ausgeht. Seit der Erforschung der Höhlenmalerei wissen wir jedoch, dass die Vielfalt der Kunst ein wesentlicher Baustein in der Entwicklung der Menschheit war. Paläontologen wissen auch, warum diese unglaublichen Kunstwerke entstehen konnten. Die urzeitlichen Künstler waren Sammler und Jäger und hatten aufgrund der Fülle an Nahrung sehr viel Zeit. Man glaubt zu wissen, dass im Schnitt 3 Stunden tägliches Jagen für das Überleben ausreichten. Die übrige Zeit nutzten unsere Vorfahren für ihre geistigen Entwicklung.

Schaut man sich Wahlbeteiligungen und Kommentare zur Politik an, so befinden wir uns in weiten Teilen der Welt offensichtlich an der Schwelle zur Umkehr dieser Entwicklung. Es ist zu befürchten, dass wir dadurch die erneute grundsätzliche Fülle, die uns die Technologie beschert hat, im immer undurchsichtiger werdenden Verteilungskampf gerade vollständig verspielen. In einem unvergleichlichen Siegeszug einer Gattung haben wir die Bedeutung von Vielfalt aus dem Auge verloren. Durch Gier und Machthunger wird unnötige globale Kargheit für die Masse der Menschheit erzeugt, und während früher dem Sieger eines Überlebenskampfes wohl wenigstens eine gewisse Zeit lang Ruhe und Muße gegönnt war (anders sind die gewaltigen Malereien nicht zu erklären), so wird heute ein dauerhafter, Krank machender Überlebenskampf künstlich erzeugt. Das ist das Geheimnis der Zunahme von Burnouts! So werden wir auf Dauer geisteskrank!

Ein bedingungsloses Grundeinkommen würde uns mit einem Schlag aus dieser Burnout-Spirale befreien. Jeder Mensch in unserer Gesellschaft hätte Zeit, seine Talente in Ruhe zu entwickeln. Man dürfte sich auch einmal irren, ohne sofort in Existenzangst zu versinken. Bedenken zur Finanzierbarkeit sind bei dem unfassbaren Reichtum der gesamten neuzeitlichen Menschheit leicht zu entkräften und die Angst, dass wir ein Volk von Faulenzern und Nichtsnutzen würden? Warum haben die Höhlenmaler sich nicht fett gefressen und stattdessen großartige Kunst geschaffen? Weil es Menschen waren, die das Wesentliche noch erkennen konnten und nicht im Strudel von mutwillig oder fahrlässig geschaffenen Problemen ertrunken sind.

Hätte es damals dieses Grundeinkommen gegeben, wäre mein Freund vielleicht jetzt auch Künstler, oder ich hätte noch ein anderes Talent als die Kunst entdeckt. Und geschadet hätte das der Gesellschaft in keinem Fall. Eine weitere Formatierung der Gesellschaft können wir uns nicht mehr erlauben – es sei denn, man findet alles prima, wie es ist. Ist das die Mehrheit? Ich hoffe sehr, dass es nicht so ist!

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