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Armut – Menschenmüll

Die Idee schoss mir vor 4 Tagen zum ersten Mal in den Kopf. Ein Bericht über Singapore im TV zeigte den Turbokapitalismus des Stadtstaates, in dem bereits im Kindergarten vermittelt wird, wie man mit Geld Geld verdient. Zweifelsohne gehört Singapore aber zu den zivilisiertesten Orten, in denen Pechvögel, die zuvor als billige Arbeitskräfte angeworben wurden, in der vergoldeten Gosse der Armut landen.

Da es Singapore gut geht, sind es nicht so viele, und sie stören nicht wesentlich das Stadtbild. Nun stellte ich mir vor, was man dort tun würde, wenn es plötzlich viele würden, und man sie aus purem Platzmangel loswerden müsste. Da schoss mir das Wort Menschenmüll in den Kopf. Ja, man müsste sie irgendwie entsorgen. Das hat nichts mit Hass oder Verachtung zu tun, wie gesagt Singapore ist ein ehrenwerter Ort mit guten Ansätzen sozialer Verantwortung.

Ich stellte mir also vor, wie es wäre, wenn die Reichen sich durch Meere von Bettlern kämpfen müssten, und irgendwie kam mir so eine Art Menschenentsorgung, wo jeder gerne wegschaut – man meint es ja nicht böse – in den Sinn.

Dass wir längst mit Menschenmüll – reduziert auf Biomasse – leben, wurde mir dann bei einem Bericht des Magazins VICE über Abhängige der Droge Krokodil in Russland klar. Nach dem Zusammenbruch der UdSSR, wurden ganze Regionen samt Menschen einfach vergessen. Man stellte einfach die Versorgung und die Zahlungen ein und schaute weg. So entstand unfassbares Leid, dem die Jugend entflieht, indem sie sich einfach selbst zerstört. Der Körper verfault bei Krokodil von innen, das Fleisch fällt von den Knochen. Man muss es gesehen haben, um es zu glauben.

Und das ist nur das, was ich zufällig gesehen habe. Was passiert sonst noch alles auf dieser Welt. Wie lange brauchen wir sogenannten Zivilisationen noch, um zu begreifen, das das nicht erträglich ist, und dass wir dringend eine globale Wertediskussion brauchen. Wie lange wird unsere Jugend noch in Schulen für dumm verkauft, und wie lange züchtet man dort noch gehorsame Wirtschaftssoldaten. Diejenigen, die sich der ‚Erziehung‘ versagen, landen in seltsamer Solidarität zu ihren Leidensgenossen selbst im Drogensog (In Form von Alkohol noch gesellschaftlich befeuert).

Die Bildzeitung wettert ja gerade schon eifrig über die Sozialschmarotzer. Da ist der Weg zum Begriff ‚Menschenmüll‘ ja nicht mehr weit. Diese Eselei könnte ich noch ertragen, aber ist es das, was wir unseren Kindern für ihre ach so tolle Zukunft mitgeben wollen? Eine goldige Zukunft, die ironischerweise gar nicht mehr hier in Deutschland oder Europa, sondern in den hungrigen Schwellenländern liegt. Sagt es doch den Kindern ins Gesicht, dass sie hier keine Zukunft haben, weil sie zu faul, zu verwöhnt, zu ziellos sind. Aber sagt ihnen auch, dass ihr keinesfalls vorhabt, das wirklich zu ändern. Ist einfach zu anstrengend, gell? Der Garten des trauten Heims ist wichtiger.

Ich finde Geld übrigens echt geil, weil man sich etwas davon kaufen kann, was wiederum bei gerechter Bezahlung allen zugute kommt. Weniger geil finde ich, es tonnenweise zu horten, um sich im Falle des sozialen Notstandes einmauern zu können.

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