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Ein Männlein

Ein Männlein steht im Walde,
da macht´s krawumm.
Das Männlein hat´s erwischt,
es weiß nicht warum.
Seht, wer mag das Männlein sein,
das da steht auf einem Bein,
und hat ein kleines Mäntelein
aus blutrot um.

Ein Herr, der sitzt am Schreibtisch
im noblen Haus.
Er schaut grad ganz verwirrt
aus dem Fenster raus.
Was mögen das für Männlein sein,
die da stehn auf einem Bein,
tali-tala und hussassa,
Gewissen – Aus!

Ein Mutterherz zerbricht
an der Seelenpein.
Ihr Junge, so gliebt,
hat nur noch ein Bein.
Was wird aus dem Kinde nun?
Kann die Mutter noch was tun?
– zu tragen ihn zum Glück,
ist es auch noch so klein.

Das Ende dieses Lied´s,
wie es kommen muss.
Die Reime und der Rhythmus aus einem Guss.
Wer mag wohl der Dichter sein,
der jetzt steht auf einem Bein,
weil er nicht mehr weiter weiß –
drum macht er Schluss.

Epilog

Ich schaue immer noch in den Himmel
und suche nach Worten.

Doch es schaut mich nur die Fratze an.
– abgeschnittene Ohren
– leere Augenhöhlen
– der zugenähte Mund

Nur die Nase noch,
kann den betörenden Duft der Lilien auf den Gräbern riechen.

Dann wird das Antlitz kleiner – immer kleiner,
bis es verschwindet im Dunkel der Nacht.

In einem Hauch von Zeit,
legt es die Strecke ins Jenseits zurück.
Doch wir müssen kriechen –
Meter um Meter.

Das Zustandekommen dieses Gedichtes verdient einen Kommentar. In einer Zeit, als ich vornehmlich zotige Gedichte zur Milderung der Seelenpein schrieb, entglitt mir quasi dieses bittere Gedicht.  Mir kam das bekannte Lied in den Sinn, und ich entschied es als Basis für eine Zote zu missbrauchen. Genau in diesem Moment bekam ich ein Foto von meiner Bekannten , der begnadeten Fotografin Brigitte Krämer, auf den Schirm. Das Foto zeigt ein beinamputiertes Kind in einem Auffanglager für Kriegskinder. Da war es um die zotige Grundstimmung geschehen, und etwas ganz anderes musste hier und jetzt gesagt werden. Als wäre es vorherbestimmt gewesen, passte die Liedgrundlage von der Hagebutte auf einem Bein fatal zum gesehenen Bild. Das Gedicht war in diesem Augenblick bereits fertig und musste nur noch niedergeschrieben werden.

Horst Grabosch möchte Ihnen eine sorgenfreie Weberfahrung bieten. Daher haben wir auf fast alle Möglichkeiten zur Erfassung Ihrer persönlichen Daten verzichtet.

 

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