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20. Januar 2017

POBITU als Schein-Unternehmer

Horst Grabosch - Das Blog - Kategorie: Seelenwaschanlage

Lieber Stephan,

du weißt ja, was ein Unternehmer ist, oder? Das sind in der Regel freie Bürger, die echtes Geld haben und mit einer Idee, man sagt auch ‘Geschäft‘, noch mehr Geld verdienen. Echte Unternehmer können nie Pleite gehen. Wenn du einmal davon hörst, dass ein Unternehmer echt Pleite gegangen ist, dann ist das auf jeden Fall ein ‘Pobitu‘.

Ein Pobitu ist ein Patient ohne Beschäftigung in therapeutischer Unternehmerfunktion. Das sind also in Wirklichkeit Patienten der Anstalt. Diese Patienten sind als schwer therapierbar eingestuft, weil Sie immer wieder eigene Geschäftsideen entwickeln. Geschäftsideen zu Geld zu machen ist aber Sache der freien Bürger, da haben die den Daumen drauf.

Nun ist so ein unruhiger Patient schlecht für das Anstaltsklima, deshalb lockt man ihn in ein Pobitu-Dasein. Da hat der dann das Gefühl, dass er so richtig die Sau rauslassen kann und ist erst einmal eine Weile ruhig gestellt. Jetzt braucht man natürlich für so ein Geschäft am Anfang Geld. Patienten haben aber kein Geld. Das ist natürlich superdoof. Also muss die Organisation sich einen Trick einfallen lassen.

Man tut so, als gäbe die Bank dem Pobitu echtes Geld, damit er sein Geschäft aufbauen kann. In Wirklichkeit gibt man ihm nur zeitweise schwarze Zahlen auf seinem Automaten und baut gleichzeitig ein Depot für rote Zahlen auf, wo die Zahlen ständig größer werden, vollautomatisch. Die schwarzen Zahlen werden natürlich schnell kleiner, weil der Pobitu viel zu dämlich für ein echtes Geschäft ist.

Einen echten Unternehmer kann man schon von klein auf erkennen. Das erste Wort eines Neutrinos ist meistens ‘Mama‘, das eines Unternehmerbabys ‘Geld‘. Auch im Kindergarten fallen die Unternehmerkinder auf, weil ihre Puppen „Goldmarie“ und die Teddys „Dagobert“ und nicht „Flocke „oder „Knut“ heißen.

Nun hast du vielleicht schon einmal gehört, dass auch echte Unternehmer Pleite gehen können. Aber bei denen hat das eine andere Bedeutung als beim Pobitu in der Anstalt. Wenn ein Pobitu Pleite geht, was ja vorprogrammiert ist, dann hat der aber nichts mehr zu lachen. Da kommen sofort Männer mit Ausweisen, die ihm die Bude erst mal leer räumen, anschließend folgt Spießrutenlaufen durch die Anstalt und Verlust der Anstaltswohnung. Interessanterweise darf er den Fernseher behalten.

Der Automat mit den zeitweise schwarzen Zahlen wird geschlossen, die Plastikkarte ist eh schon vom Automaten gefressen worden. Zur Strafe wird dann noch die Zahl auf dem Rotezahlendepot erhöht. Das Rotezahlendepot wird natürlich nicht geschlossen und sorgt langfristig dafür, dass der ehemalige Pobitu endgültig die Schnauze voll hat. Meistens werden das dann vorbildliche Patienten. Die haben keine Ideen mehr und verhalten sich in der Regel fortan ruhig. Einige machen Selbstmord, was aber keinen so richtig interessiert.

Wenn ein echter Unternehmer mit echtem Geld Pleite geht, ist das nicht so schlimm, weil echtes Geld ja nicht verschwindet, sondern nur in andere Taschen wandert. Natürlich in die Taschen anderer freien Bürger. Deshalb lachen alle freien Bürger nur über eine Milliarde vergeigten Geldes und sagen dann zum Beispiel: „Da hast du dich aber schwer verzockt, mein Lieber. Beim nächsten Mal die richtige Karte spielen“. Bei denen hat nämlich Unternehmersein viel mit Spielen zu tun.

Dann sagt die Organisation meistens: „Schwamm drüber“, und sie gibt ihm neues Spielgeld, vielleicht dieses Mal nur 100 Millionen für den Anfang. Natürlich ist es echtes Geld, wird aber von einem Unternehmerurgestein nur als Spielgeld angesehen. Deshalb kauft er sich auch erst mal ein paar neue Spielsachen, wie Boote und teure Autos von dem frischen Geld.

Erst danach sucht er eine neue Geschäftsidee. Natürlich hat er gar keine eigenen Ideen. Dann bedient er sich im Ideenverzeichnis der ehemaligen Pobitus.

Da siehst du wieder, dass eigentlich alles ein sinnvoller Kreislauf ist, oder?

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