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22. Februar 2017

Ordnung im Chaos

Horst Grabosch - Das Blog - Kategorie: Seelenwaschanlage

Lieber Pierre,

ich habe es herausgefunden, das mit der Ordnung im Chaos.

Ich habe heftig und schnell nachgedacht, weil du ja schon uralt sein musst, wenn du noch lebst. Oder bist du vielleicht gar nicht so alt, wie ich denke? Zeit ist ja so ein schwieriges Thema, das habe ich nicht im Griff. Nun aber zum Thema.

Es war ja die Frage, warum wir als Kinder der Katastrophe und des Chaos trotzdem Ordnung brauchen. Ist ja eigentlich ganz klar. Das hat auch was mit Zeit zu tun. Wir erleben das Universum ja quasi in Zeitlupe, sonst wären wir kurz nach der Geburt schon wieder tot. Denk nur an die Eintagsfliegen. Für die ist ein Tag schon ziemlich lang, nämlich ein Leben lang. Eine Lebenszeit ist aber aus Sicht dieses Individuums nun einmal eine Lebenszeit und nicht nur ein Tag, wie wir ihn erleben.

Im Laufe der Zeit braucht das Universum immer wieder neue Ideen, was es jetzt wieder kaputtmachen kann und in dieser Zeit leben wir! Für das Universum oder eine noch höhere Instanz, sagen wir mal Gott(in), ist das nur eine Sekunde, für uns ein ganzes Leben oder sogar die Spanne für die Existenz einer ganzen Art, beispielsweise Menschen. In dieser kurzen Zeitspanne herrsch eine trügerische Ordnung, sozusagen Ordnung auf Zeit.

Ohne dieses kurze Luftholen vor einer neuen universellen Katastrophe, beispielsweise so eine lustige Supernova, würden wir gar nicht existieren.

Wenn jetzt zum Beispiel Gott(in) wirklich die Botschaft in unsere Hirne gepflanzt hat, dass wir uns die Welt untertan machen sollen, ist die Frage, was mit ‘Welt‘ gemeint ist. Vielleicht fehlt ja der Nebensatz: „ … solange ihr könnt.“ Ist möglicherweise durch eine kleine Sendepanne untergegangen. Das ist aber jetzt für die grundsätzliche Überlegung piepegal.

Wir brauchen also auch als Kinder der Katastrophe Ordnung auf Zeit als Lebensgrundlage. Ob wir diese Ordnung jemals so beherrschen können, dass wir die Zeitspanne bis zur nächsten universellen Katastrophe beliebig hinausschieben, oder einfach immer da hinfliegen können, wo gerade keine Katastrophe stattfindet?

Wenn ich mir meinen Kleiderschrank anschaue, ist die Antwort: „Nein!“ Aber ich bin ja auch nur Patient in der Anstalt. Wenn ihr Franzosen weiter soviel Wein trinkt und Gitanes raucht, werdet ihr es auch nicht schaffen. Vielleicht sollte ich heute mal mit Aufräumen anfangen. Jede Reise beginnt ja bekanntlich mit dem ersten Schritt.

Ich habe übrigens einen neuen Job im Hamsterrad, aber das wird uns auch nicht wesentlich weiter bringen, auf dem Weg zum ewigen Leben.

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