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13. Februar 2017

CD ohne Musik

Horst Grabosch - Das Blog - Kategorie: Seelenwaschanlage

Lieber Gunter,

du kennst doch die Christel von der Post, oder? Die war doch ganz niedlich. Jetzt ist aber dem Chef von der Post was ganz Blödes passiert. Ich hab das im Fernsehen erfahren.

Da hat der soviel Geld verdient, dass er was Gutes damit machen wollte. Für so etwas gibt es Stiftungen. Man zahlt das Geld ein und es vermehrt sich. Das soll es auch, damit viel Geld für den guten Zweck übrig bleibt. Für eine Stiftung braucht man nämlich Verwalter und die kosten ja auch Geld. Wenn sich zum Beispiel eine Organisation um hungernde Kinder in der Welt kümmert, dann muss ja ab und zu mal jemand vorbeischauen, ob da alles in Ordnung ist.

Das macht dann ein Botschafter, der dieses Mal kein Land vertritt, sondern die Idee. Weil es kein Land gibt, das ihn bezahlt, sollte der möglichst selbst so viel Geld haben, dass die Kosten ihn nicht weiter jucken. So etwas gibt es!

Da immer ein Kamerateam dabei ist, und den Botschafter noch berühmter macht, kann der sich das Geld dann durch Vorträge vor der Krankenkasse oder Grußworte für Veranstaltungen zurückholen. Das können sogar Frauen machen.

Manchmal vergisst das ein Botschafter und reicht die Rechnungen aber trotzdem bei der Organisation ein. Denen ist es natürlich total peinlich, den jetzt an die eigentliche Idee zu erinnern. Deshalb zahlen die die Rechnungen zähneknirschend.

Doof ist natürlich dabei, dass jetzt weniger Geld für die Kinder übrig bleibt. Aber manchmal reicht es auch, wenn 20 Euro übrig bleiben. Dafür kann dann ein Kind ein Jahr zur Schule gehen. Ist doch auch schon was, oder?

Jetzt wollte der Chef von der Post wahrscheinlich so etwas Ähnliches einrichten. Da er aber vergesslich ist, hat er das vorher dem Finanzamt nicht gesagt. Reine Vergesslichkeit, sag ich dir. Hat ja auch ne Menge um die Ohren, so ein Chef. Stiftungen macht man am besten in einem kleinen Land am Rande der hohen Berge, weil die sich super damit auskennen.

Da hat aber einer gearbeitet, der keine Lust mehr auf Arbeiten hatte. Wollte wahrscheinlich lieber Skifahren, in den Bergen. Der hat dann eine CD produziert und die verkauft. Da die CD ein Unikat war, hat er natürlich einen Liebhaberpreis erzielt, der für viele Skipässe reicht.

Als sich jetzt der Käufer die CD anhören wollte, hat er festgestellt, dass gar keine Musik drauf war, sondern die ganzen Zahlen von der Bank, bei der der Skifahrer gearbeitet hatte. Zuerst fand der das blöd, aber dann hat er doch noch einen neuen Abnehmer gefunden, nämlich das Finanzamt. Die finden ja Zahlen klasse.

Dann haben die angefangen zu rechnen und festgestellt, dass es wohl etliche vergessliche Stiftungsgründer gibt. Jetzt müssen die natürlich die Stifter wieder daran erinnern, dass sie noch was anzumelden haben.

Macht viel Arbeit, die ganze Sache. Wenn die das mal vorher gewusst hätten. So kann man mit CDs ganz schön reinfallen, wenn keine Musik drauf ist.

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