Close

16. Januar 2017

Alkohol und Nebenwirkungen

Horst Grabosch - Das Blog - Kategorie: Seelenwaschanlage

Lieber Tomislav,

du weißt ja, was Alkohol ist, oder? Die Wirkung von Alkohol hängt bekanntermaßen stark von der Menge ab, die man zu sich nimmt. Erst macht er ruhig, dann lustig, später Hirnschwurbel. Was danach passiert, hängt sehr vom Menschentyp ab.

Bei jedem Menschen ist das Gehirn von Geburt an verschieden. Ich kann das jetzt nicht so genau erklären, aber eigentlich ist es wie beim Computer. Es gibt Hardware, also das ganze Elektronikzeugs, das in China gemacht wird, und Software, die meistens in Amerika gemacht wird. Die macht ein Alien, der Gatter oder so ähnlich heißt.

Die Hardware entspricht dem Glibber, aus dem das Gehirn hergestellt wird. Die Software entspricht dem Menschentyp, also wie der tickt. Die verschiedenen Menschentypen heißen beispielsweise Windows, Linux oder Mac. Also jetzt nicht echt, sondern nur zur Verdeutlichung. Der Linuxtyp eignet sich hervorragend zum Patienten, weil er in einem Land erfunden wurde, wo ganz wenig Sonne scheint und auch viel im Dunkeln nachgedacht wird.

Jetzt wirkt Alkohol auf diese Typen in der Endphase unterschiedlich. Der Mactyp ist oft bei freien Bürgern anzutreffen und schläft einfach ein, weil sein Gehirn sehr stromlinienförmig arbeitet. Dem fällt nach ruhig, lustig und Hirnschwurbel einfach nicht ein, was da noch kommen könnte. Also schläft er schlicht ein. Sehr vielen von den Mactypen fällt schon nach lustig nichts mehr ein. Sie erreichen die Hirnschwurbelstufe gar nicht.

‘Lustig‘ bedeutet bei Mactypen auch was anderes als beispielsweise beim Linuxtypen. Mactypen kichern oft nur über albernes Zeugs, während Linuxtypen so richtig die Sau rauslassen. Die tanzen und singen zum Akkordeon, oder machen sich lustig über Frauen her, nur zum Tanzen. Manche Mactypen trinken nie Alkohol, was eigentlich kaum vorstellbar ist. Die erreichen nicht die Lustigstufe. Die sind andauernd normalnichtlustig.

Der Linuxtyp erreicht mindestens die Hirnschwurbelstufe mit Verlust der Muttersprache. Das hindert ihn aber nicht daran, weiter zu brabbeln und sich in unglaublichen Denkschleifen zu verfangen. Das kann sehr kompliziertes Zeug sein, aber leider versteht es keiner. Er selbst meistens auch nicht. Das kommt irgendwie aus dem Universum. Vielleicht sind Linuxtypen ja Mensch gewordene Aliens. Wer weiß das schon so genau?

Interessant und am weitesten verbreitet ist der Windowstyp. Da gibt es unzählige Abarten. Der Windowstyp ist im normalen Leben eher unauffällig. Er ist in allen Schichten anzutreffen, kann Patient, Personaler oder Neutrino sein. Neutrinos sind weder Personal noch Patient, aber sie werden immer weniger.

Bei Neutrino-Windowstypen kommt sehr oft auch Schlafen nach Hirnschwurbel. Manchmal ist auch Weinen mit Sehnsucht nach der Mutti anzutreffen, oder sie weinen über sich selbst. Ich habe keine Ahnung, warum die das machen. Der Personaler-Windowstyp wird unglaublich scharf auf Frauen. Der kann seltsamerweise auch noch alles, zum Beispiel sprechen, trotz Hirnschwurbel. Wenn der dann keine Frau kriegt, wird er manchmal sehr unappetitlich. Er beleidigt andere Menschen, die er gar nicht kennt, oder er geht nach Hause und hört sich Symphonien an.

Ein Patienten-Windowstyp kann nach der Hirnschwurbelstufe sehr gefährlich werden. Er neigt dann zum Programm ‘Abrissbirne‘. Die Organisation weiß das, deshalb hat man auch Vorsorge getroffen. Patienten werden schon durch die Preisgestaltung und die Nebenwirkungen auf bestimmte Alkoholgetränke gelenkt. Am leichtesten geht Bier. Da gibt es billige Sorten, die trotzdem schmecken und auch nachher kein Kopfweh machen. Die Hirnschwurbelstufe nur mit Bier zu erreichen ist sehr schwer.

Anders bei Wein. Da ist ja mehr Alkohol enthalten. Beim Wein sind die Patientengetränke schon äußerlich erkennbar. Entweder sie befinden sich in Riesenflaschen oder Pappkartons. Damit Patienten nicht zu viel davon trinken, bekommst du schon beim Trinken Kopfweh.

Clever gemacht, nicht wahr?

Zum nächsten Kapitel  Zum Inhaltsverzeichnis des Buches