Close

3. Januar 2017

Präludium – Kommentar

Horst Grabosch - Das Blog - Kategorie: Im Schatten des Erfolges

Aus der Hirnforschung wissen wir mittlerweile sehr viel über Konditionierung. Verhaltensmuster werden abgeschaut, unbewusst einstudiert und zur Grundlage des eigenen Handelns gemacht. Diese Verhaltensmuster können wir bewusst ändern, doch es braucht dafür einen Impuls von außen, da wir die Konditionierung nur sehr schwer selbst erkennen können. Im Kindesalter erfolgt die Konditionierung vornehmlich durch die Eltern und Bildungseinrichtungen, also durch so genannte Respektspersonen oder Lehrer. Vereinfachend kann man von einem Lehrer-Schüler Verhältnis sprechen. Liebe und andere Emotionen lasse ich hier einmal außen vor. Natürlich sind die Lehrer auch unterschiedlich konditioniert.

Die Auswirkungen auf den Schüler sind oft sehr einfach strukturiert. Begeisterung erzeugt Begeisterung, Zweifel erzeugt Zweifel. Mein Umfeld war alles Mögliche, nur kein Künstlerumfeld. Kein Mensch in meiner Familienumgebung konnte sich unter einem Künstlerberuf etwas vorstellen. Also hatte ich genau zwei Bezugspersonen, die das durchaus konnten. Zum Einen war da mein Bochumer Trompetenlehrer und zum Anderen mein Musiklehrer am Gymnasium. Die Signale von den beiden Lehrern konnten unterschiedlicher kaum sein. Der erste beklagte stets das harte Leben eines Berufsmusikers, während der andere es in blumigsten Bildern ausmalte. Mein späterer Werdegang spiegelte diese Dualität in verblüffender Weise wieder.

Es macht keinen Sinn, sich im Nachhinein über Fehlkonditionierung zu beklagen, und man muss immer die Kirche im Dorf lassen. Was mir in den jungen Jahren jedoch am meisten fehlte, war die eindeutige Haltung eines Mentors. Ein Mentor hat ein gesteigertes Interesse an seinem Schüler und bezieht den mentalen Zustand des Schülers in seine Ratschläge mit ein, oder versucht Fehlkonditionierungen zu ändern. Mein erster wirklicher Mentor war Professor Lodenkemper an der Musikhochschule. Seine konstruktiven Ratschläge kamen in der Rückschau jedoch fünf Jahre zu spät.

Talente zeigen sich in unterschiedlichster Ausprägung und es ist wahrlich nicht einfach, sie hinreichend zu beurteilen. Erfolg ist trotzdem in gewissen Grenzen programmierbar. Ich greife gern auf die Erkenntnisse der Quantenphysik zurück, um ein Bild möglicher Prozesse zu zeichnen. Schrödingers berühmte Katze kann sich vor dem Eintritt eines Beobachters in zwei gegensätzlichen Zuständen befinden. Tot und lebendig. Wenn man tot und lebendig in der Analogie durch ‘nicht erfolgreich‘ und ‘erfolgreich‘ ersetzt, bedeutet das, dass zumindest die Möglichkeit des Erfolges prädisponiert sein muss. Dieses Ziel zu erreichen, ist die Aufgabe des Mentors.

Zum hier kommentierten Kapitel  Zum nächsten Kapitel   Zum Inhaltsverzeichnis des Buches