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23. Januar 2017

Kunst und Kommerz – Kommentar

Horst Grabosch - Das Blog - Kategorie: Im Schatten des Erfolges

Im Kapitel heißt es: „Fünf Jahre nach dem Erklimmen des Erfolgsgipfels hatte auch der Künstler in mir sein Ziel erreicht.“ In Hinsicht auf den vorangegangenen Kommentar könnte man das als Bestätigung des gerade gegeißelten Mix-Weges sehen. Doch der Teufel steckt im Detail. Eine Berufsunfähigkeit genau zu diesem Zeitpunkt scheint auf den ersten Blick ein lediglich unglückliches Ereignis zu sein. Ist es aber nicht! Die Krankheitsbilder waren programmiert. Ich zitiere hier ein Bonmot meines medizinischen Gutachters auf die Frage nach den Ursachen meines Tinnitus, der nur ein Baustein meines körperlichen Zusammenbruchs war: „Tinnitus ist eine Reaktion. Nach ihren Erzählungen würde ich sagen, sie konnten es einfach nicht mehr hören.“ Wobei die Redewendung: „Ich kann es nicht mehr hören“, sinngemäß „Ich WILL es nicht mehr hören“, lauten müsste.

I´ve had enough – ich habe es satt! Wenn ein Künstler an diesem Punkt angelangt ist, beginnt hoffentlich eine neue künstlerische Periode. Meine künstlerische Periode dauerte aufgrund der Zeitverschwendung durch Brotjobs jedoch bereits 20 Jahre. Wo sollte es danach hingehen? Die Familie mit all dem Zirkus, den man durch die gute finanzielle Lage aufgetürmt hatte, war ein immenser Kostenapparat, der ewig schrie: „Feed me!“. Ich wusste wirklich nicht, was zu tun war. Mein Unterbewusstsein wusste es! Ich wurde kurzerhand abberufen. Ein Ende mit Schrecken ist besser, als ein Schrecken ohne Ende. Sie kennen diese Weisheit. Genauso geschah es mit mir. Natürlich kann auch der Körper eines gesunden Geistes schicksalhaften Schaden nehmen. Aber es ist gerade diese Erkenntnis, die uns konsequent handeln lassen muss.

Als Komponist hätte ich weiter schöpferisch tätig sein können. Ich war aber hauptsächlich ein interpretierender Trompeter, der hin und wieder mal was komponierte. Für eine Existenz war das viel zu wenig. Fragen sie einmal einen Komponisten, wie lange es gedauert hat, bis er von seinen Werken leben konnte. Soviel Zeit hatte ich einfach nicht. Alles war folgerichtig. Ich war de facto ein Berufstrompeter. Als solcher war ich berufsunfähig. Also musste ich mir einen neuen Beruf suchen. Alles Künstlerische schied genauso folgerichtig aus, weil man eben als Künstler eine gehörige Anlaufzeit braucht. Schluss mit Kunst als Beruf, das war der Schrecken des Endes! Fortan reagierte ich wie eine beleidigte Leberwurst. Ich wollte von Kunst nichts mehr hören. Ich strich das aus meinem Bewusstsein. Es dauerte wieder mehr als 10 Jahre, bis mir klar wurde, das das nicht funktionierte.

Jedem jungen, unerfahrenen Menschen sei gesagt, dass das eine sehr lange Zeit ist, die sich hinzieht, wie ein geschmackloser Kaugummi.

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