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25. Januar 2017

Finale – Kommentar

Horst Grabosch - Das Blog - Kategorie: Im Schatten des Erfolges

Das einzige, was man diesem Kapitel hinzufügen sollte, ist eine Beschreibung der versicherungstechnischen Aspekte. Ich war freiwillig in der Berufsgenossenschaft versichert. Das ist ein absolutes MUSS für jeden Freelancer. Für ein bescheidenes Entgelt ist man hier, staatlich organisiert, gegen Berufsunfälle und Berufskrankheiten versichert. Diese Versicherung hätte in meinem Fall unbedingt greifen sollen. Tat sie aber nicht!

Es ist Versicherungen aller Art zu Eigen, dass sie sich gegen Zahlungen wehren, soweit es geht. Im Fall der Berufsunfähigkeit prüft die Versicherung, ob die Krankheiten durch den Beruf ursächlich entstanden, ergo Berufskrankheiten, sind. Damit diese Prüfung nicht zum Orakel ausartet, gibt es einen Katalog mit anerkannten Berufskrankheiten. Im Falle des Musikers artet es aber dennoch oft zum Orakel aus. Zwar sind Schäden durch Lärmbelastung im Katalog enthalten, aber diese Schäden sind genau definiert. Mein Schadensbild war in Fachkreisen bekannt, befand sich aber gerade erst in einer Langzeitstudie. Und ‚lange Zeit‘ hat für solche Organisationen eine andere Bedeutung, als für uns. Es bedeutet, dass wir das Ergebnis vermutlich nicht mehr erleben werden.

Die anderen Schäden waren zwar genauso vernichtend für meine Berufsausübung, aber ein vereiterter Weisheitszahn ist eben nicht typisch für einen Musiker. Genauso wenig war die Ursache für einen Lippentremor eindeutig auszumachen. Und Eindeutigkeit hat nicht nur hier ein entscheidendes Gewicht. Juristisch war die Berufsgenossenschaft nach etlichen Monaten Hick-Hack aus dem Schneider.

Aber auch bei einer staatlich organisierten Institution arbeiten Menschen aus Fleisch und Blut (was man auch in anderen Zusammenhängen nie vergessen sollte!). Man bot mir nach meiner Umschulung noch eine kostenlose Umschulung an. Wahrscheinlich hätte ich mich bis zum Ende meines Lebens umschulen lassen können. Allerdings verwehrte man mir jegliche Unterhaltszahlungen. Es war also relativ sinnlos. Grundsätzlich ist jedem freiberuflichen Künstler eine Berufsunfähigkeitsversicherung anzuraten. Die hätte auch gegriffen, weil eine Berufsunfähigkeit amtsärztlich bestätigt war. Wenn man jedoch bedenkt, was einen Künstler bereits berufsunfähig machen kann, darf man auf die Monatsraten für eine solche Versicherung erfolgreich schlussfolgern. Kurzum, es ist sauteuer – man braucht also noch ein paar Brotjobs mehr!

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