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12. Januar 2017

All that Jazz

Horst Grabosch - Das Blog - Kategorie: Im Schatten des Erfolges

Ich absolvierte mein Trompetenstudium in der Regelstudienzeit von zehn Semestern. Das erforderte wirklich alle Kräfte, die ich aufbieten konnte, denn zudem musste ich meine Existenz selbst finanzieren. Also unterrichtete ich mittlerweile an zwei Musikschulen und spielte weiter in den Jazz-Ensembles von Georg Gräwe, der mir trotz einiger zwischenzeitlichen Irritationen immer die Stange hielt.

Einige Wochen vor der Abschlussprüfung teilte mir Professor Lodenkemper mit, dass er die vakante Stelle der 1. Trompete in Passau für mich ‘klargemacht‘ hätte: „Sie brauchen nur noch hinfahren und einigermaßen ordentlich spielen“, waren seine Worte. Ich war geschockt! Sein Wort galt, kein Student verlässt ohne Job die Anstalt. Ich musste ihm erklären, dass es nicht meine Intention wäre, nach Passau zu ziehen. Eine bittere Enttäuschung für ihn. Doch die zweite Enttäuschung kam kurz danach. In einer der letzten Unterrichtsstunden, sagte er mir, dass er mich im Fernsehen gesehen hätte – mit Jazz! Zu dieser Zeit war er aber schon sehr krank und es war nicht mehr gravierend für ihn.

Ich machte mein Examen und fühlte mich wieder einmal endlos frei! Ich war achtundzwanzig Jahre alt. Mit den Einnahmen wuchsen die Wünsche. Ich verdiente ordentlich und durch die vielen Beziehungen, die ich in den verschiedensten Szenen aufgebaut hatte, vermehrten sich die Angebote. Ich spielte, was das Zeug hielt. Dixieland, Klassik, Freejazz, Big Band, Lounge, Schlager, Pop, einfach alles, was mir vor die Flinte kam. Als gäbe es kein Morgen. Aber ich brauchte auch das Geld. Irgendwie war nie etwas übrig. Ein seltsamer Effekt, der vielen Menschen bekannt sein dürfte. Man hat immer mehr Geld zur Verfügung, gibt es dann aber auch im gleichen Maße wieder aus. Schließlich sind Künstler keine Kostverächter.

Selbst in eine ausführliche Lebenserinnerung passt einiges nur andeutungsweise hinein. Dazu gehört beispielsweise meine Dozententätigkeit an der Universität Duisburg. Das habe ich immerhin etliche Jahre gemacht. In meiner Heimatstadt leitete ich dreizehn Jahre lang einen Posaunenchor. Ich schrieb eine Kolumne für das Musikermagazin ‘Artist’, übersetzte den Yamaha-Blasinstrumentenkatalog vom Englischen ins Deutsche und erledigte einige Auftragskompositionen für den WDR und die Folkwangtage. Ich gründete die Big Band Ruhr, die vom Land subventioniert wurde und zwei Jahre unter meiner Leitung existierte. Ich dirigierte auch hin und wieder, weiß aber wirklich nicht mehr, was eigentlich. Jedenfalls habe ich eine dunkle Erinnerung daran und ein Dirigentenstab liegt als Beleg in meinem Keller.

Dabei fällt mir gerade noch ein, dass ich mit achtzehn Jahren eine Uraufführung als Solist im Sonntagskonzert des ZDF gespielt hatte – gespeichert unter der Rubrik: Wie konnte das nur passieren, und was war das eigentlich?

Einige musikalische Etappen verdienen eine nähere Betrachtung. Dazu gehört die viele Jahre währende Arbeit am Theater.

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