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1. Mai 2017

Waldmeisterbowle

Horst Grabosch - Das Blog - Kategorie: Poetische Kurztexte

Zubereitung:

Arbeitszeit: ca. 15 Min. Ruhezeit: ca. 1 Std. / Schwierigkeitsgrad: simpel / Kalorien p. P.: keine

Vom Waldmeister einige Blättchen abnehmen und zur Seite legen. Den restlichen Waldmeister in den Weißwein geben und zerquetschen. Eine Stunde ziehen lassen.

Dann den Waldmeister herausnehmen. Den Wein nach Belieben mit Zucker oder Honig süßen und in ein Bowlegefäß geben. Die abgeschälte Zitronenschale zufügen und mit Sekt auffüllen. Mit den beiseite gelegten und frischen Waldmeisterblättchen dekoriert servieren.

Paul war seit einiger Zeit in Behandlung. Die Diagnose des Therapeuten lautete `´Psychopathie – behandelbar´. Zur Therapie gehörte es, einfache Dinge des täglichen Lebens zu erledigen und Sozialkontakte zu anderen Menschen zu pflegen. Paul dachte an einen gemütlichen Abend mit Waldmeisterbowle, die er selbst zubereiten wollte.

Paul ging in den Wald und suchte den Waldmeister, denn wo sonst sollte der zu finden sein. In der Ferne erblickte er einen stattlichen Mann in grüner Jacke, der aufmerksam den Wald musterte. Auf dem Rücken eine ebenso stattliche Flinte. Das musste der Waldmeister sein!

Es dauerte seine Zeit, bis er ihn mit einem starken Ast erlegt hatte. Er schnitt einige Blättchen aus der grünen Jacke und legte sie zur Seite. Für den zweiten Schritt musste er wohl den ganzen Waldmeister mit nach Hause nehmen, denn die Schüssel mit dem Weißwein hatte er natürlich nicht dabei.

„Arbeitszeit: 15 Minuten“, erschien ihm bereits jetzt etwas kühn geplant, denn schließlich konnte er unmöglich den ganzen Waldmeister in die Schüssel geben. Davor lagen schließlich noch aufwändige Aktionen mit der Kreissäge, und die Entsorgung des Waldmeisterrestes.

Dann erledigte er den nächsten Zubereitungsschritt, und ließ alles eine Stunde ziehen. Doch auch nachdem er den Waldmeister herausgenommen hatte, war zu seinem Erstaunen die Bowle rot statt grün, doch mit den Waldmeisterblättchen als Dekoration kam er der Sache schon näher.

Nun freute er sich auf seine Gäste. Der Therapeut würde stolz auf ihn sein.